Herr Schmid, PSD2 ist die revidierte Zahlungsdienste-Richtlinie der Europäischen Union, welche die Marktöffnung für Drittanbieter (Nicht-Banken) im Zahlungsverkehr neu regelt und die ab Januar 2018 in Kraft tritt. Hat die neue Regelung auch Auswirkungen auf die Schweiz?

Von Seiten des Eidgenössischen Finanzdepartements oder der Finanzmarktaufsicht wird PSD2 aktuell nicht als zentrales Thema priorisiert. Offizielle Stellen vertreten den Standpunkt, dass es sich um eine europäische Direktive handelt, die keine direkte Anwendung in der Schweiz entfalten muss. 

Europa ist allerdings ein grosser Markt mit umfassenden grenzüberschreitenden Elementen. Diese verstärken sich mit zunehmender Globalisierung. Beispielsweise haben Direktiven wie SOX-Compliance aus Amerika in den letzten Jahren die ganze Welt beeinflusst. Insofern ist die Einführung von PSD2 für alle Länder, die mit einem EU-Land als Partner, Kunde oder Lieferant agieren relevant.

Was heisst das konkret für die Banken und speziell für Schweizer Banken, die eine Filiale in der EU haben?

Diese Banken sind verpflichtet Drittparteien unentgeltlich einen sicheren Kontozugang zu gewähren. Mit dieser Verpflichtung werden die traditionellen Ökosysteme nachhaltig beeinflusst. Die überarbeitete Zahlungsrichtlinie ist somit die Vorbotin der digitalen Revolution im Zahlungsverkehr, die den europäischen Finanzmarkt nachhaltig verändern wird. Für Finanzinstitute bieten sich Chancen, in neue Segmente und Märkte einzutreten und attraktive Services für ihre Kunden anzubieten. Ob die Banken das neue Ökosystem mitgestalten wollen oder FinTechs und anderen Playern überlassen wird sich zeigen.

Als innovativer Infrastrukturanbieter der Schweizer Banken kann SIX eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung der neuen Geschäftsmodelle einnehmen und den Banken zentrale Lösungen anbieten.

Als innovativer Infrastrukturanbieter der Schweizer Banken kann SIX eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung der neuen Geschäftsmodelle einnehmen und den Banken zentrale Lösungen anbieten. SIX beschäftigt sich intensiv mit der Regulierung und den daraus resultierenden neuen Rollen. Ein gruppenweites Projektteam analysiert mögliche neue innovative Lösungen, wobei unsere Kunden wie Banken sowie Händler und deren Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. 

Es sind also neue Geschäftsmodelle erforderlich. Wie können diese aussehen?

Neben dem heutigen Ökosystem für Kartenzahlungen – also das Vier-Parteien-System mit den etablierten Kartenherausgebern wie Visa oder Mastercard – wird eine parallel laufende Infrastruktur mit kontobasierten Zahlungen oder Instant Payments aufgebaut.

SIX wird ihre bestehenden Dienstleistungen für Banken und Händler weiter ausbauen und neue zusätzliche Services anbieten. Damit eröffnen wir unseren Kunden Chancen und Möglichkeiten, in neue Segmente und Märkte einzutreten, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. SIX bleibt weiterhin der vertraute und zuverlässige Partner, mit dem langfristig erfolgreiche Geschäfte abgewickelt werden können.

SIX hat zum Ziel gesetzt, die Bedürfnisse der Banken abzuholen, um innovative Angebote zu schaffen, die auf die Wünsche unserer Kunden ausgerichtet sind.

Welche Rolle nimmt SIX für die Banken dabei ein?

Bei vielen Banken liegt eine Ungewissheit vor, wie sich die Zukunft aufgrund der neuen Direktive entwickeln wird. Bis zur Umsetzungsfrist im Januar 2018 bleibt nur wenig Zeit, um Lösungen zu testen und zu implementieren. SIX hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedürfnisse der Banken abzuholen, um innovative Angebote zu schaffen, die auf die Wünsche der Kunden ausgerichtet sind. Neue Ideen brauchen zuverlässige Partner: SIX hilft den Banken, ihre regulatorischen Aufgaben wie «Access to Account» mit bestehenden und erweiterten Angeboten zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, den Banken und Händlern modulare Lösung anzubieten, die individuell auf die Kundenwünsche zugeschnitten sind.

Welche Vorteile bietet die Einführung von PSD2 den Banken?

Die Zahlungsdienst-Richtlinie ermöglicht es, neue Dienste zu entwickeln, die es bisher nicht gab und die Wertschöpfungskette weiter auszubauen. Diese Dynamik fördert den Wettbewerb und bietet SIX und den Banken in der Schweiz und in Gesamteuropa zahlreiche Anknüpfungspunkte. Wenn beispielsweise Drittanbieter Daten und Funktionalitäten der Banken nutzen, um neue Funktionalitäten zu entwickeln, können Finanzinstitute diese Services in ihre eigenen Systeme integrieren und ihren Kunden erweiterte Möglichkeiten und neue Nutzen (zum Beispiel Personal Finance Management) anbieten.


Beispiele Geldfluss karten- und kontobasierte Zahlungen

Beispiel Geldfluss kartenbasierte Zahlung

Beispiel Geldfluss kartenbasierte Zahlung

Beispiel Geldfluss kontobasierte Zahlung

Beispiel Geldfluss kontobasierte Zahlung

Glossar

Die Parteien und ihre Rollen

Drittanbieter (TPP): Ein Drittanbieter-Zahlungsdienstleister ist ein Zahlungsdienstleister, der nicht der Account Service Payment Service Provider ist und drei neue Dienste anbieten kann:

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