Eine Frage der Kultur?

Eine Frage der Kultur?

Die geliebten Gewohnheiten… Im Interview erklärt der Branchenexperte Thomas Winther Thøgersen, warum Mobile Payment in Dänemark Alltag ist – und in der Schweiz noch nicht.

Skandinavien gehört oft zu den Vorreitern, auch beim Mobile Payment. In Dänemark nutzen schon heute über 3 Millionen Menschen die Bezahl-App MobilePay – weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Keiner kennt diese Lösung besser als er: Thomas Winther Thøgersen, Branchenexperte und unabhängiger Berater der Danske Bank, welche die Bezahl-App entwickelt hat. Im Interview spricht er darüber, warum die Bezahl-App in Dänemark ein so grosser Erfolg geworden ist, was die Unterschiede zwischen der Schweiz und Dänemark in Bezug auf das Bezahlen mit dem Smartphone sind und was die Zukunft bringen wird.


Wie haben Sie es in Dänemark geschafft, dass MobilePay zum Grosserfolg wurde?

In Dänemark löste das Bezahlen mit dem Smartphone ein dringliches Problem, nämlich wie man unkompliziert das Geld von Freunden zurückbekommt mit denen man gemeinsam etwas eingekauft hat – zum Beispiel bei einem Geburtstagsgeschenk oder überhaupt bei kleinen Schulden zwischen Privatpersonen. Der Zeitpunkt der Einführung durch die Danske Bank war perfekt. Die App wurde sehr gut von den Nutzern angenommen und verbreitete sich innerhalb weniger Monate rasant durch Weiterempfehlungen. Zudem sind die Dänen bekannt dafür, digitale Dienste in Anspruch zu nehmen – egal ob es um die öffentliche Verwaltung, Banken, Freunde oder die Familie geht. Das Smartphone auch für das Senden von Geld und als Bezahlmöglichkeit beim Einkaufen zu nutzen war für die Dänen daher keine grosse Sache.

Mehrwertdienste in direkter Kombination mit Mobile Payment werden in Zukunft in die Bezahl-Apps integriert, zum Beispiel Coupons, Kundenkarten, digitale Belege, Cross- und Up-Selling Angebote.

Thomas Winther Thøgersen, Branchenexperte und unabhängiger Berater der Danske Bank.

Wo liegen die grössten Unterschiede zwischen Dänemark und der Schweiz beim Mobile Payment?
Dänemark möchte ein bargeldloses Land werden und viele Dänen zahlen nicht gerne mit Bargeld. Man kommt in Dänemark sehr einfach und günstig zu Kredit- und Debitkarten und kann damit dank niedriger Händlergebühren in 99 Prozent aller Geschäfte bezahlen. In der Schweiz hingegen geht es in vielen Läden, Kneipen und Restaurants nur mit Bargeld. Dazu kommt, dass besonders die junge Generation in der Schweiz gar keine Kreditkarten nutzt. Solange man für die meisten Mobile-Payment-Lösungen eine Kreditkarte benötigt, ist die Registrierung für sie nicht möglich. Natürlich will man auch in der Schweiz Rechnungen gemeinsam bezahlen oder jemandem Geld zurückzuzahlen – es wird aufgrund der bisherigen Bezahlgewohnheiten einfach länger dauern, bis die Bevölkerung Mobile Payment als Zahlungsmittel annimmt.

 

Wohin geht der Trend im Mobile Payment?

Ich sehe vier Trends: Mehrwertdienste in direkter Kombination mit Mobile Payment – dass also Coupons, Kundenkarten, digitale Belege, Cross- und Up-Selling Angebote in Bezahl-Apps integriert werden.

Dann die Nutzung von Kundendaten, um dem Kunden massgeschneiderte Produkte und Angebote passend zu seinem Einkaufsverhalten anzubieten. Das kennen wir beispielsweise von Google.

Weiter wird es im Handel neue Bezahlmöglichkeiten geben, wie zum Beispiel die Vorbestellungen in der Händler-App oder die Bestellung und Bezahlung per App direkt am Tisch, in Restaurants oder in Shops, ohne auf eine Bedienung oder an der Kasse warten zu müssen. Und zu guter Letzt das Übermitteln von Geld auf Social-Media-Plattformen – also direkt da, wo die Nutzer sowieso schon miteinander in Kontakt sind, wie das SnapChat bereits mit SnapCash zeigt. Auch Facebook und andere Plattformen haben bereits ähnliche Dienste oder arbeiten daran.