Die neue Bezahl-App Paymit erobert den Markt – wie lange brauchen wir noch Bargeld?

Die neue Bezahl-App Paymit erobert den Markt – wie lange brauchen wir noch Bargeld?

SIX, UBS und Zürcher Kantonalbank lancieren erste schweizweite bankenoffene Bezahl-App

Mit Paymit werden Smartphones zum Portemonnaie – Ende Mai lancierten SIX, UBS und Zürcher Kantonalbank die erste Bezahl-App im Schweizer Markt, bei der alle mitmachen können. Mit der innovativen App können Teilnehmer schweizweit schnell und sicher Geld an Freunde und Familienmitglieder überweisen und Beträge erhalten – von Smartphone zu Smartphone. Das Besondere an Paymit: Es ist die erste Bezahl-App, die als offenes System entwickelt wurde und somit von allen Banken genutzt werden kann (Verhandlungen mit weiteren potenziellen Bankenpartnern laufen derzeit).

Paymit ist schneller als Bargeld

Die Vorteile der neuen App: Paymit ist schneller als Bargeld, die Überweisungen werden in Echtzeit ausgeführt. Die App ist praktisch, einfach zu handhaben und verfügt über hohe Sicherheitsstandards. Paymit ist eine Wortschöpfung aus «Payment» und «Transmit». Voraussetzung für die Nutzung der App ist lediglich eine Schweizer Mobiltelefonnummer sowie je nach App ein Bankkonto und/oder eine Kredit- bzw. Prepaidkarte.

 

Nächster Schritt: P2M

Die erste Phase von Paymit sind Zahlungen zwischen Privatpersonen. Der Aufbau einer Paymit-Gemeinschaft bildet dabei die Grundlage, um schrittweise die Akzeptanz beim Handel aufzubauen. Denn der Einsatz am Verkaufspunkt, bei In-App-Zahlungen und im Online-Handel ist in Vorbereitung. «Ein Ziel von Paymit ist es, das Bargeld abzulösen. Somit werden wir in einem ersten Schritt Paymit als Zahlungsmittel am unbedienten Verkaufspunkt oder beim Händler mit Kleinbeträgen einführen. Die Zusammenarbeit mit einer breiten Basis an Händlern bildet die Grundlage, um Paymit langfristig auf dem Markt zu etablieren», sagt Pedro Deserrano, Chief Marketing Officer SIX Payment Services. 

Bezahlen per App macht Spass

Paymit macht den Usern Vergnügen! Ein Beispiel: Sie haben gemeinsam mit Freunden im Restaurant gut gegessen, nun möchten Sie dem Servicepersonal das Auseinanderdividieren der Rechnung nicht zumuten? Die Lösung heisst Paymit - einer bezahlt, die übrigen Gäste überweisen blitzschnell ihren Anteil. Die Nichten und Neffen wollen die Kosten für das Geschenk für die Lieblingstante teilen? Die Einzelbeträge werden sekundenschnell überwiesen – ganz bequem via Smartphone vom Sofa oder vom Café aus.  

Braucht die Welt noch Bargeld?

Bei all den neuen Bezahlmöglichkeiten drängt sich die Frage auf, ob die Menschen eigentlich noch Bargeld brauchen. Eine kleine Reise um die Welt dokumentiert die unterschiedlichen Vorlieben und Verhaltensweisen, wenn es um die Entscheidung Bargeld oder bargeldloses Bezahlen geht. Bargeld hat (noch) viele Freunde, aber auch einige Feinde. So plädieren Politiker, Notenbanken und Ökonomen dafür, Bargeld abzuschaffen, da dies helfen könnte, Kriminalität und Schwarzgeldgeschäfte einzudämmen. Immer mehr Länder schränken mittlerweile die Nutzung von Bargeld ein, elektronische Transaktionen werden begünstigt. Die dänische Zentralbank will beispielsweise ab 2016 die Produktion von Scheinen und Münzen einstellen. 

In schwedischen Kirchen wird die Kollekte cashless bezahlt

Die Schweden haben schon seit Jahren die Kreditkarte zu ihrem Lieblingszahlungsmittel erkoren. Sogar Kirchenbesucher bezahlen ihre Kollekte mittlerweile häufig mit Karte. Auch Obdachlose, die ihre Zeitungen offerieren, haben sich in Schweden auf die neuen Zeiten eingestellt und bieten ihren Kunden die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens und Spendens. In Grossbritannien hat in 2014 zum ersten Mal bargeldloses Bezahlen den Gebrauch von Münzen und Banknoten überholt, 52 Prozent der Briten haben im vergangenen Jahr ihre Zahlungen bargeldlos getätigt.

In Afrika hat sich der Umstand, dass viele Menschen keinen Zugang zu Bankkonten haben, als Glücksfall für das bargeldlose Bezahlen entpuppt. In entlegenen Gegenden haben die Menschen oft kein Bankkonto, aber einen Internetzugang. In Ländern wie Kenia oder Uganda werden Gehälter und Stromrechnungen auf das Smartphone überwiesen. Experten gehen in Afrika von 350 Millionen internetfähigen Handys bis zum Jahr 2017 aus.  Weltweit gibt es mittlerweile rund 250 Millionen aktive Mobile Payment User, in 2014 lag der Wert mobiler Commerce-Transaktionen bei 450 Millionen US-Dollar (Zahlen: Gartner und Juniper Research). 

Die Deutschen lieben Bargeld und das Klimpern ihrer Münzen – 74 Prozent der Bundesbürger sprachen sich in einer Umfrage gegen die Abschaffung von Bargeld  aus. Cash gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit. Jeder Deutsche trägt im statistischen Durchschnitt 103 Euro in bar bei sich. Allerdings gibt es auf technischer Seite Aufholbedarf, denn nur jede vierte deutsche Kasse ist technisch dazu in der Lage, eine Bezahlung mit dem Handy anzunehmen. 

Bitte lesen Sie zum Thema Paymit auch das nachstehende Interview mit Pedro Deserrano.